Interview mit Verona Pooth

„Die höchsten Ansprüche stelle ich an mich selbst“

Von Nadine Effert · 2019

Es gibt wohl kaum jemand in Deutschland, der sie nicht kennt: Verona Pooth (51). Seit 30 Jahren steht die Powerfrau in der Öffentlichkeit – und das mit Erfolg. Im Interview spricht sie über starke Frauen in der heutigen Gesellschaft und verrät, was genau hinter dem Verona-Prinzip steckt, das endlich das Rätsel um die Frage „Wie macht die das nur?“ lüftet.

Porträt: Verona Pooth

Verona, was ist für Dich eine echte Powerfrau?

Im Prinzip gibt die Gesellschaft das Bild einer Powerfrau ja vor. Man erinnere sich nur an die 1950er-Jahre, in denen die Frau lediglich im Haushalt und als Mutter stolz hinter ihrem erfolgreichem Mann gestanden hat. Heute, auch dank der Emanzipation, sind Frauen zum Glück nicht mehr darauf reduziert, müssen dafür aber an mehr Fronten ihre Stärke beweisen. Die Powerfrau von heute ist eine fürsorgliche Mutter und eine gute Ehefrau, erfolgreich im Business und vernachlässigt dabei natürlich nicht ihr Aussehen. 

Man könnte meinen, Du sprichst gerade über Dich selbst ...

Stimmt (lacht). Zudem erwähnenswert ist aber auch der Aspekt der Unabhängigkeit. Heißt: Starke Frauen würden alles theoretisch auch ohne einen Mann an ihrer Seite wuppen. Sie begeben sich also nicht in Abhängigkeiten, verdienen ihr eigenes Geld und sie lassen sich nicht mehr von der Gesellschaft diktieren, wie sie auszusehen haben, ob sie geschieden sind oder sich für eine Patchwork Familie entschieden haben. Das ist für mich ein wichtiger Teil der Emanzipation. 

Muss eine Frau über Leichen gehen, um erfolgreich zu sein?

Keineswegs. Meiner Meinung nach darf eine Powerfrau sich durchaus nehmen, was ihr zusteht, was sie glücklich und erfolgreich macht. Jedoch sollte sie nicht egoistisch mit ausgefahrenen Ellenbogen, in Denver-Clan-Alexis-Manier durchs Leben gehen. Das kann meiner Meinung nach auf Dauer nicht glücklich machen, das führt nämlich dazu, dass man früher oder später ganz alleine da steht. Nur Nehmen und nicht Geben funktioniert nicht. 

Wie das Ganze konkret funktioniert, kann man aktuell in Deiner Autobiografie „Nimm Dir alles, gib viel! Das Verona-Prinzip" nachlesen.

Sozusagen. Auch wenn das Buch natürlich kein klassischer Ratgeber ist, sondern eine Autobiographie, möchte ich dem Leser durch meine Erfahrungen dennoch den ein oder anderen Rat mitgeben. Wer das Buch liest, wird feststellen, dass ich hohe Ansprüche an das Leben stelle, die höchsten aber an mich selbst. Das mag schwierig und perfektionistisch klingen, ist es aber nicht, da ich mich für alles in meinem Leben bewusst entschieden habe und mir es daher leichtfällt, diese Ansprüche zu erfüllen. Auch wenn es im Job durchaus viel Disziplin erfordert oder als Mutter von zwei Kindern eine große Portion Geduld – Diego ist nun mal gerade mitten in der Pubertät (schmunzelt) und Roccolito wird nächsten Monat acht. So wie ich die Dinge angehe, gibt mein beruflicher Erfolg mir recht – genauso wie die unbezahlbare, grenzenlose Liebe meiner Kinder und meines Mannes. Aus dieser glücklichen Familie schöpfe ich viel Kraft, auch für Zeiten, in denen es mal turbulenter im Hause Pooth zugeht.

Viele Frauen bewundern Dich für Dein Aussehen. Was tust Du dafür?

Vorweg möchte ich sagen, dass ich froh darüber bin, dass die Entwicklung dahin geht, dass es keine festgefahrenen Schönheitsideale mehr gibt. Jeder darf und sollte für sich selbst entscheiden, was Schönheit für ihn bedeutet – ob kurvig oder schlank, mit oder ohne Falten, ob nachgeholfen oder nicht, entscheidend ist doch, dass man sich in seiner Haut wohlfühlt. Gar keine Frage: Für ein gutes Aussehen muss frau was tun, und von nichts kommt bekanntlich nichts. Ich lasse mich einfach nicht gerne gehen, lebe bewusst, achte auf eine gesunde Ernährung, mache vier- bis fünfmal Sport in der Woche und kenne natürlich viele Tricks um gut auszusehen. Ich packe die Dinge eben an, folge dabei aber keinem vorgebenen Maßstab, außer meinem eigenen. So fühle ich mich nun mal schon immer wohl. Warum also sollte ich das ändern, meine Ansprüche in puncto Aussehen runterschrauben, nur weil ich älter werde? Ich trauere keiner Zeit in meinem Leben hinterher und denke auch nicht, wie schön es wäre, noch mal 25 zu sein. Mein Aussehen ist auch nicht mein einziges Kapital, sondern ein Aspekt von vielen meiner Persönlichkeit. 

Welchen Tipp hast Du noch für uns Frauen?

Ob man sich mit 30 dazu entscheidet, eine Zahnspange zu tragen, der Sommerbräune mit einer Runde Tanning nachhilft, sich modisch kleidet, Haar-Extensions machen oder sich die Nase stutzen lässt – jede Frau hat das Recht, die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen, um mehr aus sich herauszuholen beziehungsweise ihren Typ zu optimieren, natürlich nur wenn Sie es auch will. Gleiches gilt im Job: mutig sein, sich alles zutrauen, am Ball bleiben. Und dabei – ganz wichtig – das Geben nicht vergessen! Mit diesem Prinzip fahre ich sehr gut und habe bislang zum Glück auch keine meiner Entscheidungen bereut. Alle Geister, die ich in mein Leben rief, dürfen gerne bleiben.

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