Migräne

Wenn der Schädel zerspringt

Von Tobias Lemser · 2018

Einfach nur Ruhe und niemanden mehr sehen: für die meisten Migränepatienten das wichtigste Bedürfnis während einer Attacke. Doch was können die in der Mehrzahl betroffenen Frauen – sowohl in der Akutphase als auch präventiv – tun, um ihre so erheblich eingeschränkte Lebensqualität endlich wieder zu verbessern?

Frau hält sich die Hände an die Schläfen in einem städtischen Umfeld.
Foto: iStock/Antonio Guillem

Schwere Kopfschmerzanfälle, die sich anfühlen, als würden Presslufthämmer unentwegt dröhnen, dazu kaum auszuhaltende, pulsierende Schmerzen in der Schläfe, verbunden mit Übelkeit und Erbrechen: Symptome, die für viele Migräne-Patienten gleich mehrmals im Monat qualvolle Realität sind. Etwa acht Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen leiden hierzulande unter Migräne. Treten die Kopfschmerzen sogar an mindestens 15 Tagen im Monat auf, ist von einer chronischen Verlaufsform die Rede. Trotz umfassender Forschung ist die genaue Ursache noch nicht endgültig geklärt. Man weiß jedoch, dass schmerzverarbeitende Zentren aktiviert und schmerzvermittelnde Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, ausgeschüttet werden. Diese führen zu einer Entzündungsreaktion an den Blutgefäßen der Hirnhäute. Folge: Durch die Pulsationen in den Blutgefäßen wird die entzündete Gefäßwand gedehnt, was auch den typisch pulsierenden Schmerzcharakter erklärt. 

Migräne: Auslösende Faktoren

Trigger, die sehr individuell sein können, sind häufig Stress, Schlafmangel, Wetterwechsel, genauso wie bestimmte Gerüche sowie Nahrungs- und Genussmittel. Zudem stellten Forscher bei Frauen einen engen Zusammenhang zur Menstruation fest. Aber auch die Wechseljahre können eine gehörige Rolle spielen. Wie amerikanische Wissenschaftler in einer 2016 veröffentlichten Kopfschmerz-Studie herausfanden, traten die meisten Beschwerden bei den mehr als 3.600 Teilnehmerinnen in der „Perimenopause“ auf, also ein bis zwei Jahre vor und nach den Wechseljahren. Die Forscher gehen davon aus, dass der sinkende Östrogenspiegel, aber auch ein Übergebrauch von Schmerzmitteln – zur Linderung zunehmender altersbedingter Schmerzen in den Gelenken und im Rücken – Migräneattacken begünstigen können.

Medikamentöse Hilfe 

Doch was kann man tun, um die Auswirkungen der starken Kopfschmerzen zu lindern? In der Akutphase empfehlen Ärzte gängige Schmerzmittel, die zumeist mit Medikamenten gegen die begleitende Übelkeit kombiniert werden. Bei starken Attacken sind migränespezifische Medikamente das Mittel der Wahl. Alle Präparate wirken am besten, wenn sie direkt zu Beginn der Attacke eingenommen werden. Klar ist: Migräne ist nicht heilbar. Jedoch kann man ihre Intensität und Häufigkeit präventiv beeinflussen. Hierfür sind Studien zufolge regelmäßiger Ausdauersport und Muskelentspannungsübungen wichtig. Da viele Betroffene bestimmte auslösende Faktoren kennen, lassen sich zumeist auch durch Änderungen des persönlichen Verhaltens positive Effekte erzielen. Hierbei kann ein Mi­gräne-Tagebuch – gibt es inzwischen auch als App – hilfreich sein.

Praktische Migräne-Tipps

  • Bei einer leichteren Attacke kann eine Tasse starker Kaffee mit etwas Zitronensaft Linderung verschaffen.

  • Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training können helfen, Anspannung abzubauen.

  • Regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig, damit der Blutzuckerspiegel nicht zu stark abfällt.

  • Es ist sinnvoll, Grenzen aufzuzeigen und auch nein sagen zu können, bevor der Druck zu groß wird.

  • Trigger meiden ist ratsam, sollte jedoch nicht überbewertet werden, um sich nicht zu sehr einzuschränken.

  • Der Erfahrungsaustausch mit anderen – etwa in einer Selbsthilfegruppe – kann entlasten.

Quelle:  www.chronischemigraene.de/tipps

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