Knochen aus Stammzellen

Knochen aus der Petrischale?

Von Nadine Effert · 2018

Jede dritte Frau über 50 erleidet früher oder später einen Knochenbruch, der durch Osteoporose entsteht. Vor allem die hormonelle Umstellung ab den Wechseljahren puscht den Knochenschwund. Da dieser still und meist unbemerkt verläuft, erfolgt die Diagnose oft (zu) spät. Dabei gibt es gute Therapien – in Zukunft sogar in Form einer Knochenzüchtung.

Mann hält sich den Ellenbogen, unter der Haut sind die Knochen sichtbar. Thema: Knochen aus Stammzellen
Foto: iStock/horillaz

Rauf auf die Zehenspitzen, als nächstes einige Hofknickse, dann für einige Sekunden in den Liegestütz: Acht ältere Damen und ein rüstiger Herr sind an diesem Nachmittag im Rahmen einer Selbsthilfegruppe zusammengekommen – mit dem Ziel, durch spezielle Gymnastik ihren Knochenaufbau zu stimulieren und ihre Koordination zu verbessern. Hinterher gibt es für die Teilnehmer noch ein paar Tipps für eine knochengesunde Ernährung. Der Grund: Sie leiden unter Osteoporose. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge gehört die degenerative Gelenkerkrankung zu den zehn häufigsten Erkrankungen weltweit. Der Dachverband Osteologie (DVO) schätzt, dass in Deutschland 15 Prozent aller Frauen zwischen 50 und 60 Jahren und drei Viertel aller Frauen über 70 betroffen sind. 

Unterschätzte Gefahr

Durch den Knochenschwund ist das Bruchrisiko stark erhöht. Manchmal reicht ein kleiner Sturz, um die porösen Knochen zum Knacksen zu bringen. Professor Dr. med. Heide Siggelkow, Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), warnt vor den Folgen: „Die eingeschränkte Mobilität führt zum Beispiel nach einem Oberschenkelhalsbruch häufig zu einer Einweisung ins Pflegeheim und zwanzig Prozent der Menschen mit einem Oberschenkelhalsbruch sterben direkt oder indirekt daran.“ Soweit müsse es nicht kommen, denn zur Prophylaxe bei stark gefährdeten Patienten stehen diverse Medikamente zur Verfügung, die entweder den Abbau der Knochen hemmen, wie etwa Biphosphonate, oder deren Aufbau fördern. „Leider werden in Deutschland viel zu wenige Patienten – selbst nach mehrfachen Brüchen – medikamentös behandelt.“ 

Neue Knochen aus Stammzellen

Wie brüchige Knochen in Zukunft ohne Medikamente „repariert“ werden könnten, zeigt ein Blick nach Israel: Zu Beginn diesen Jahres ist es Forschern gelungen, im Labor gezüchtetes Knochengewebe aus vorher entnommenem Fettgewebe zu generieren, das sich genauso verhält wie natürliches Gewebe, also auch wächst. Es wurde anschließend dem Patienten mit einem nicht selbstheilenden Schienbeinbruch injiziert – mit Erfolg. Die Lücke von vier Zentimetern schloss sich innerhalb von zwei Wochen. Von der Stammzellen-Technologie könnten, so die Wissenschaftler, vor allem Menschen profitieren, die durch den Alterungsprozess, Tumoren oder Infektionen Knochen verlieren. Heißt: Auch durch Osteoporose bedingte brüchige Knochen könnten mit der Methode wieder gefestigt werden. In drei bis vier Jahren soll das Knochenprodukt auf dem Markt sein.

Wussten Sie schon, dass ...

... Osteoporose Frauen nicht nur sehr viel häufiger betrifft, sondern auch früher einsetzt als bei Männern? 

... auch einige Krankheiten, wie Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, oder bestimmte Medikamente, wie blutzuckersenkende Präparate, den Knochenschwund fördern können?

... dem deutschen Gesundheitssystem durch Osteoporose jährlich 2,5 bis drei Millionen Euro an direkten und indirekten Kosten entstehen?

... Sie auf der Homepage des Bundesselbsthilfeverbands für Osteoporose e. V. (www.osteoporose-deutschland.de) eine Liste der rund 300 regionalen Selbsthilfegruppen finden?

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