Mikroskopische Kolitis

Von wegen Reizdarm

Von Tobias Lemser · 2018

Eine Frau sitzt auf der Toilette. Thema: Mikroskopische Kolitis
Wer unter mikroskopischer Kolitis leidet, verbringt viel Zeit auf der Toilette.

Die mikroskopische Kolitis ist eine entzündliche Erkrankung des Dickdarms, die häufig mit bis zu 15 wässrigen Stuhlgängen pro Tag einhergeht. Vor allem Frauen sind betroffen. Um die chronische Erkrankung therapieren zu können, ist eine exakte Diagnose unerlässlich. Doch die lässt in vielen Fällen auf sich warten.

Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen: Symptome, die wir insbesondere von einem langen Ess-Marathon kennen. Das Gute: So schnell die Beschwerden kommen, so schnell vergehen sie nach einem Toilettenbesuch zumeist auch wieder. Anders, wenn das Unwohlsein in der Magenregion auch dann nicht enden will und Krämpfe und Durchfälle tägliche Begleiter sind. 

Gewebeentnahme führt zur Diagnose

Beispiel: chronisch-entzündliche Darm­erkrankungen. Wichtig, um typische Vertreter, wie Morbus Crohn oder die mikroskopische Kolitis, zielgerichtet therapieren zu können, ist eine exakte Diagnose. Denn nicht selten werden die Beschwerden einem Reizdarm zugeordnet. Folge: Viele Patienten werden über Jahre hinweg falsch behandelt, sodass die Beschwerden zumeist bestehen bleiben. „Ein Reizdarm und die mikroskopische Kolitis lassen sich auf den ersten Blick kaum voneinander unterscheiden“, sagt der Gas­troenterologe Prof. Ahmed Madisch aus Hannover. Deshalb sei es erforderlich, an verschiedenen Stellen der Dickdarmschleimhaut Gewebeproben zu entnehmen. In der histopathologischen Untersuchung sind dann die entzündlichen Veränderungen feststellbar.

Mikroskopische Kolitis: Risikofaktor Alter 

Doch welche vordergründigen Symptome lassen überhaupt auf eine mikroskopische Kolitis schließen? Typisch sind chronische, wässrige Durchfälle ohne Blutbeimengungen, die häufig auch nachts auftreten können. Betroffene berichten zudem von Bauchschmerzen, leichtem Gewichtsverlust, Stuhldrang und Inkontinenz. In der Regel tritt die mikroskopische Kolitis zumeist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Rund drei Viertel aller Betroffenen sind Frauen. Woran dieser hohe weibliche Anteil liegt, ist bislang noch unklar. Neuen Studien zufolge werden jedes Jahr pro 100.000 Einwohner etwa zehn bis 25 Neuerkrankungen diagnostiziert. Experten gehen davon aus, dass neben Alter, der Einnahme bestimmter Medikamenten und immunologischen Reaktionen auch das Rauchen ein wesentlicher Risikofaktor sein könnte.

Erfolgversprechende Therapie 

Wie kann den Patienten geholfen werden? Zwar ist diese Darmerkrankung nicht heilbar, jedoch lassen sich die Symptome erheblich reduzieren. Erste Wahl in der Behandlung ist ein lokal wirksames Kortisonpräparat, das im unteren Dünn- und Dickdarm freigesetzt wird. Da die Leber es zu 90 Prozent abbaut, ist es sehr nebenwirkungsarm. Schlägt die sechswöchige Therapie an, wird das Medikament abgesetzt. Nicht selten kommt es dann zu einem Rückfall. Dann erfolgt eine niedrig-dosierte Langzeittherapie. Ein kleiner Wermuts­tropfen, den die meisten Leidgeplagten bei so viel neuer Lebensqualität jedoch verschmerzen können.

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