Lipödem

Kein Grund, sich zu verstecken

Von Tobias Lemser · 2018

Menschen mit einem Lipödem sind zumeist einem hohen Leidensdruck ausgesetzt – auch, weil sie häufig verachtende Blicke Wildfremder hinnehmen müssen. Da bei dieser Fettverteilungsstörung Sport, Diäten und Ernährungsumstellungen oft nicht den gewünschten Effekt erzielen, sind andere Lösungen gefragt.

Frau mit einem Lipödem bei Dehnübungen

Wucherndes Fett und stark sichtbare Dellen an Armen und Beinen: Christina wagt es inzwischen kaum noch, sich im Spiegel anzusehen. Hinzu kommt, dass die 29-Jährige zuletzt immer unbeweglicher wurde und sich ihre Beine oft schwer anfühlen. Nach Jahren der Ungewissheit, was dahinterstecken könnte, endlich die Diagnose „Lipödem“ –  und damit die Chance, eine Therapie starten zu können. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine chronische und meist voranschreitende Fettverteilungsstörung. 

Eingeschränkter Lymphfluss

Die fast nur Frauen betreffende Krankheit entsteht, indem sich die Fettgewebezellen im Unterhautfettgewebe vermehren und damit den Lymphfluss in den Gliedmaßen behindern. Verstärkt wird das Problem durch Wassereinlagerungen. Zumeist entwickelt sich ein Lipödem mit dem Ende der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft – wie auch bei Christina, die kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes mit 22 die ersten Symptome feststellte. Wie es dazu kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Offenbar spielen Hormone und genetische Faktoren eine große Rolle. Schätzungen zufolge leiden mehr als eine Million Frauen In Deutschland unter einem Lipödem. Allerdings könnte die tatsächliche Zahl weit höher liegen, da viele gar nicht wissen, daran erkrankt zu sein. 

Quelle: www.lipoedemportal.de

Lipödem: Entstauung und Bewegung

Wichtig ist es, dass die Erkrankung bereits frühzeitig erkannt wird, um ihren Verlauf günstig zu beeinflussen. In diesem Fall können Kompressionsverbände helfen, die Einlagerung von Wasser aufzuhalten. Ist das Lipödem wie bei Christina bereits fortgeschritten, kann die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) helfen, um das Wasser wieder loszuwerden. Sie besteht aus Kompressionsstrümpfen, manueller Lymphdrainage und Bewegungstherapie. Gerade Schwimmen und Aquajogging eignen sich – ähnlich wie die Lymphdrainage – aufgrund des hohen Drucks des Wassers ganz besonders, da sie zur Entleerung von Ödemen sowie zum Bluttransport zum Herzen beitragen.

Da die KPE, die lebenslang durchgeführt werden sollte, keinen Einfluss auf das Fettgewebe hat, raten Ärzte zusätzlich zur Fett­absaugung. Problem: Eine sogenannte Liposuktion bei einem Lipödem ist keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden. Wie das Bundessozialgericht in Kassel im April befand, sei die dauerhafte Wirksamkeit der Methode nicht ausreichend gesichert. Fakt ist: Egal, ob ein chirurgischer Eingriff möglich ist oder nicht: Christina und die vielen anderen Betroffenen sollten sich nicht hinter der Krankheit verstecken. Denn selbstbewusst in der Öffentlichkeit aufzutreten und die eigene Persönlichkeit zu demonstrieren, ist der beste Weg, mit einem Lipödem umgehen zu können.

Zusammen ist man weniger allein

Deutschlandweit bieten Selbsthilfegruppen Termine vor Ort an, um mit anderen Betroffenen Informationen und Erfahrungen rund um die Krankheit Lipödem auszutauschen.

Termine der Treffen und Kontaktdaten sind zum Beispiel auf den Websites der Lipödem Hilfe Deutschland e.V. (www.lipoedem-hilfe-ev.de) und des Lymphologischen Informationsdienstes (www.lipoedemportal.de) nach Postleitzahlen geordnet aufgelistet. 

Beide Webseiten bieten auch weiterführende Informationen zum Krankheitsbild, zur Diagnostik und zu Therapiemöglichkeiten.

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