Neurodermitis & Schuppenflechte

Jucken, Kratzen, Depressionen

Von Frank Wagner · 2018

Etwa drei Millionen Deutsche leiden unter Neurodermitis, zwei Millionen unter Psoriasis. Obwohl Frauen statistisch kaum häufiger von solchen chronischen Hautkrankheiten betroffen sind als Männer, leiden sie laut neuen Untersuchungen oft stärker unter den körperlichen, psychischen und auch sozialen Folgen.

Frau trägt Salbe auf erkrankte Haut an der Hand auf. Thema: Schuppenflechte

Gerötete, rissige, trockene, schuppige, juckende Haut – mit solchen unangenehmen Symp­tomen haben Betroffene mit den beiden verbreitetsten chronischen Hautkrankheiten, der Neurodermitis (Atopisches Ekzem) und der Schuppenflechte (Psoriasis), zu kämpfen. Neurodermitis trifft bereits viele Kinder (14,3 Prozent), wobei etwa 60 Prozent später symptomfrei werden. Dennoch geht man für Deutschland von etwa drei Prozent erwachsenen Neurodermitikern aus, etwa jeder Zehnte leidet unter einer schweren Form. Die Psoriasis hingegen manifestiert sich beim Gros zwischen dem 33. und 46. Lebensjahr. 

Therapien helfen, Symptome zu lindern

Beide Autoimmunerkrankungen sind genetisch veranlagt, praktisch unheilbar und treten meist in Schüben auf. Die Auslöser sind sehr individuell: Bei Neurodermitikern ist es oft der Kontakt mit Allergenen, ansonsten können Stress, Rauchen, Infektionen oder die jetzt herrschende kalte, trockene Luft einen Schub auslösen. Das Gute: Es stehen jeweils spezielle Therapien und Medikamente zur äußeren und inneren Anwendung zur Verfügung, die in der Regel die Symptome gut lindern. Im Fall der Schuppenflechte setzen Ärzte seit rund zehn Jahren bei mittelschweren und schweren Verläufen auf sogenannte Biologika, gentechnisch hergestellte Medikamente, die gezielt wirken und somit auch weniger Nebenwirkungen versprechen. Zur Behandlung von Neurodermitis stehen erst seit kurzem Biologika zur Verfügung.

Schuppenflechte: Tabuzone Vagina

Im Gegensatz zur Neurodermitis gibt es bei der Psoriasis viele verschiedene Formen. Als entzündliche Systemerkrankung kann sie dabei nicht nur die Haut, sondern theoretisch jeden Bereich des Körpers betreffen – von den Ellbogen über das Gesicht und die Fingernägel bis hin zu den Gelenken. Eine Form der Schuppenflechte, die für Frauen besonders belastend ist, ist die im Genitalbereich. Laut der niederländischen Psoriasis Gesellschaft leiden etwa 29 bis 40 Prozent der Schuppenflechte-Patienten darunter. Menschen mit Psoriasis inversa (Schuppenflechte in Körperfalten) sind mit bis zu 79 Prozent sogar noch wesentlich häufiger von dieser Form betroffen, bei der die charakteristische Schuppung fehlt. Bei Frauen sind es die Leisten, der Schamhügel sowie die Vulva mit den Schamlippen, die ge­rötet sind, jucken und schmerzhaft sein können. Dies erschwert zudem oftmals das Sexualleben der Betroffenen und belastet viele Partnerschaften: Etwa elf Prozent der Patienten verzichten sogar auf Nachwuchs, auch aus der Angst heraus, die Krankheit zu vererben. Durch Kratzen entstandene Läsionen können zudem die natürliche Flora der Schleimhäute beeinflussen und das Risiko von Pilzinfektionen steigern. 

Seelische Belastung für Frauen größer 

Die äußeren Symptome von Neurodermitis und Psoriasis werden von vielen Mitmenschen als abstoßend empfunden. Viele denken, die Hautkrankheiten seien ansteckend. Was nicht stimmt! Und so leiden Betroffene zusätzlich unter einem verminderten Selbstwertgefühl, das durch soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung verstärkt wird. Nicht selten sind etwa Depressionen die Folge. Frauen kommen laut einer von der Pharma-Industrie beauftragten Studie aus 2017 mit den psychosozialen Auswirkungen schlechter zurecht als Männer. Die psychische Belastung sei dabei besonders stark, wenn die Hautprobleme an sichtbaren Körperregionen auftreten. Gerade im Sommer fühlen sich viele Frauen eingeschränkt, etwa bei der Auswahl ihrer Kleidung. Da Frauen offenbar immer noch häufiger nach ihrem Äußeren bewertet werden als Männer, könnte dies mit ein Grund sein, warum sie stärker unter chronischen Hautkrankheiten leiden. Umso wichtiger, rasch ärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen, und auch bei Schuppenflechte im Intimbereich die Hemmschwelle abzulegen. 

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