Vaginalinfektionen

Sommer, Sonne, Scheidenpilz

Von Tobias Lemser · 2016

Scheideninfektionen zählen zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Hierfür zumeist verantwortlich sind Bakterien und Pilze, die sich gerade jetzt, in der warmen Jahreszeit, pudelwohl fühlen. Wie können Infektionen vermieden werden? Welche typischen Symptome deuten auf eine Pilzinfektion hin? Und wie wird man Brennen, Jucken & Co. am besten wieder los?

Endlich Sommer! Seit Monaten warten wir darauf, die steigenden Temperaturen hierzulande und vor allem am Urlaubsort genießen zu können. Doch das sommerliche Wetter kann auch seine Schattenseiten haben: Viele Frauen leiden nämlich zumeist genau dann verstärkt unter Vaginalinfektionen. Beispielhaft hierfür sind der Scheidenpilz und die bakterielle Vaginose. Da sich Pilze und Bakterien in feucht-warmer Umgebung besonders wohlfühlen, können sie sich rasant vermehren. „Verstärkt wird das sommerliche Schwitzen durch synthetische Unterwäsche und haut­enge Jeans, die die Luftzirkulation im Intimbereich verhindern“, sagt Prof. Dr. Friedrich Wolff, Gynäkologe und Vorstandsmitglied der Ärzteorganisation GenoGyn. Zudem können Strings-Tangas reiben und Erreger aus der Analregion in Richtung Scheide transportieren.

Sex und Badespaß erhöhen Risiko

Aber auch wer vermehrt sexuell aktiv ist, läuft Gefahr, eine Scheideninfektion zu bekommen. Denn die Samenflüssigkeit verändert den normalen sauren pH-Wert der Scheidenflora und macht sie anfälliger für Infektionen. Begünstigt werden Infektionen außerdem bei Sexualpraktiken wie dem Wechsel zwischen Anal- und Vaginalverkehr, da dabei Darmbakterien unmittelbar in die Scheide übertragen werden. Nicht zu vergessen: die sommerlichen Badefreuden. Denn gerade Chlorwasser in Schwimmbädern kann die empfindliche Scheidenflora stören. Nasse Badebekleidung lässt zudem die Schleimhäute in der Intimregion aufquellen und erleichtert es Pilzen, einzudringen.

Symptome richtig deuten

Um Scheideninfektionen – mehr als 70 Prozent aller Frauen sind von Zeit zu Zeit davon betroffen – gezielt behandeln zu können, ist es zunächst wichtig zu klären, ob eine Scheidenpilzinfektion oder eine bakterielle Scheidenentzündung vorliegt. Symptome, die für einen Scheidenpilz sprechen, sind vor allem Juckreiz, ein weißlich bis quarkartiger Ausfluss sowie eine häufig gerötete und geschwollene Scheidenschleimhaut. Anders bei einer bakteriellen Vaginose: Sie geht mit einem dünnflüssigen, grau-weißlichen Ausfluss und einem strengen, meist fischartigen Intimgeruch einher.

Vaginalinfektion ernst nehmen

Da diese Erkrankung im Gegensatz zum Pilzbefall nicht selbst behandelt werden kann, rät Prof. Dr. Friedrich Wolff dringend – auch dann, wenn die Beschwerden nur schwer einzuordnen sind – nicht lange zu warten und einen Gynäkologen aufzusuchen. Dieser kann mit dem Scheidenabstrich unter dem Mikroskop oder einer genaueren Bewertung der Bakterien die genaue Diagnose stellen. „Eine ganz frühe leichte Infektion kann sogar mit Michsäure-Präparaten beseitigt werden. Handelt es sich um eine stärkere bakterielle Scheidenentzündung, ist in den meisten Fällen eine Therapie mit Antibiotika unumgänglich“, so der Gynäkologe. Wird die Erkrankung nicht fachgemäß behandelt, drohen erneute Infektionen und schlimmstenfalls eine Unfruchtbarkeit durch Schädigung von Gebärmutter und Eileitern. Für Frauen, die unter einem Scheidenpilz leiden, bieten Apotheker ein breites Spektrum an freiverkäuflichen Präparaten, wie zum Beispiel Cremes oder Vaginalzäpfchen. Der beste Schutz ist jedoch Vorbeugung. Hierfür eignen sich insbesondere milchsäureproduzierende Döderlein-Bakterien ­– erhältlich zum Beispiel als Vaginalkapseln. Sie sorgen für ein saures Milieu und verhindern gleichzeitig, dass sich Bakterien und Pilze ausbreiten. Prof. Wolff rät insbesondere Patientinnen mit wiederkehrenden Beschwerden zu einer umfassenden Diagnostik und Beratung. Da auch die Darmflora die Gesundheit der Scheidenflora entscheidend mit beeinflussen kann, ist bei Bedarf eine Mitbehandlung des Darms empfehlenswert. So entfachen sich Scheideninfektionen häufig gar nicht erst und der Sommer wird zur uneingeschränkten Freude.

Umfrage zur Verwendung von Mitteln gegen Vaginalinfektionen 2015 (in Millionen), Quelle: IfD VuMA, 2015
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