Intimpflege

Weniger ist manchmal mehr

Von Tobias Lemser · 2016

Mit der richtigen Pflege lassen sich Infektionen im Genitalbereich vorbeugen.

Der Vaginalbereich gehört zu den sensibelsten Zonen bei der Körperhygiene. Fehler bei der Pflege können die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen und das Risiko für Infektionen erhöhen. Wie es dazu kommen kann, wie der Genitalbereich richtig gereinigt wird und mit welchen vorbeugenden Maßnahmen für eine gesunde Scheidenflora gesorgt werden kann.

Direkt nach dem Aufstehen unter die Dusche zu steigen, ist für die meisten das Wichtigste überhaupt, um fit, frisch und gut duftend in den Tag zu starten. Nicht ganz unerheblich in puncto Körperhygiene ist jedoch die Frage, wie die Intimregion gepflegt werden sollte. Denn ein zu wenig, aber auch ein zu viel ist kritisch zu sehen, da es unangenehme Infektionen im Vaginalbereich begünstigen kann.

Saures Milieu in der Scheide

Damit es soweit gar nicht erst kommt, ist eine intakte Scheidenflora wichtig. Doch was macht eine gesunde Flora überhaupt aus? Hauptakteur sind die verschiedenen Arten von Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die sich in der Vagina angesiedelt haben. Denn sie wandeln den aus den Zellen der Vagina stammenden Zucker in Milchsäure um und sorgen so dafür, dass der pH-Wert in der Scheide herabgesenkt wird. Nur mithilfe dieses sauren Niveaus – ideal ist ein pH-Wert von unter 4,5 – kann eine Besiedelung der Scheide durch Krankheitserreger wie Bakterien oder Pilze verhindert werden. Auch der Östrogenspiegel ist für die Scheidenflora wichtig, da er während des monatlichen Zyklus ansteigt und wieder absinkt. Steigen die Östrogenwerte bis zur Zyklusmitte an, finden die Laktobazillen ideale Bedingungen vor, um sich zu vermehren und so das Milieu sauer zu halten. Fällt der Spiegel hingegen, steigt das Risiko für eine Infektion. Daher sollten für Infektionen anfällige Frauen prophylaktisch eine Milchsäurebakterien-Kur anwenden.

Übermäßige Hygiene ist kontraproduktiv

Um das Risiko für Scheidenpilzinfektionen oder bakterielle Entzündungen gering zu halten, sind zudem gezielte Hygienemaßnahmen wichtig. Generell gilt: den Genitalbereich einmal täglich gründlich – am besten lediglich mit Wasser – reinigen. „Wer dennoch Wert auf die Verwendung einer Waschlotion legt, sollte auf schonende Produkte, die zum sauren Scheidenmilieu passen, achten“, rät Prof. Dr. Friedrich Wolff, Gynäkologe und Vorstandsmitglied der Ärzteorganisation GenoGyn. Insbesondere parfümierte Duschgels und Shampoos haben meist einen pH-Wert zwischen neun und elf, was den Säureschutzmantel der Schleimhaut erheblich schwächen kann. Mit unschönen Folgen: Oft ist ein unangenehmer fischartiger Geruch ein erster Hinweis auf eine Scheideninfektion mit Bakterien und zusammen mit Pilzen kann die Infektion über die Intimzone bis zur Gebärmutter aufsteigen.

Präventive Maßnahmen

„Neben aggressiven Seifen ist von Intimsprays und Scheidenspülungen abzuraten, da sie sich in gleicher Weise ungünstig auf die Schleimhäute und Vaginal­flora auswirken“, so der Gynäkologe. Auch sollte bevorzugt zu Einmal-Waschlappen gegriffen und die Intimregion von der Scheide hin zum After gewaschen werden. Andernfalls besteht ein erhöhtes Risiko, dass Darmbakterien in die Vagina gelangen. Zusätzlich ist dazu zu raten, vor allem während der Periode, regelmäßig die Hygieneartikel wie Tampons zu wechseln. Für Frauen, die vermehrt zu Infektionen im Genitalbereich neigen, kann, wie bereits erwähnt, eine Milchsäure-Kur vorbeugend wirken. Hierfür gibt es in Apotheken rezeptfreie Vaginalzäpfchen, Gele oder Vaginaltabletten. Der Gynäkologe oder Apotheker weiß, welche der verschiedenen Präparate sich eignen und welche Vor- und Nachteile diese mit sich bringen. Regelmäßig angewendet, können nicht nur krankmachende Bakterien und Pilze und häufig damit einhergehende Infektionen abgewehrt werden, sondern bei einem Befall dafür gesorgt werden, dass sich die Scheidenflora schnell wieder regenerieren kann. Denn Fakt ist: Ist die Flora im Gleichgewicht, haben Bakterien und Pilze keine Chance.

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