Misteltherapie

Vom Druidenkraut zum Krebsmittel

Von Helene Fuchs · 2014

Die Diagnose Brustkrebs ist für jede Frau ein Schock. Starke Nebenwirkungen der Therapie und die Angst, der Krebs könne wiederkehren, prägen den Alltag und zehren an Körper und Psyche. Viele Betroffene begeben sich auf die Suche nach sanften Alternativen, die mehr Lebensqualität versprechen – wie die Mistel.

Um die Weißbeerige Mistel ranken sich viele Mythen. Die Druiden, die Hohepriester Galliens, nannten sie die heiligste aller Pflanzen. Die Germanen hängten einen Mistelzweig über die Haustür, um Krankheit und bösen Zauber abzuwehren. Und den Helden der griechischen Mythologie verlieh die immergrüne Pflanze die Kraft, den Todesfluss Styx zu überwinden. Welche Legenden der Wahrheit entsprechen, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass sich der fast kugelförmige Halbschmarotzer, der in Baumkronen wächst, inzwischen einen festen Platz in der komplementären Krebstherapie gesichert hat. Mistelextrakte sind die am häufigsten eingesetzten Alternativmedikamente im Kampf gegen eine der größten Geißeln der Menschheit. Laut Deutscher Krebshilfe vertraut rund die Hälfte aller Krebs-Patienten der Wirkung der Heilpflanze.

Stärkung des Immunsystems

Wissenschaftliche, allen voran pharmakologische Studien herausgefunden, dass der Extrakt der Heilpflanze die Nebenwirkungen der Krebsbehandlung, die etwa durch eine Chemotherapie entstehen, mildern und das Immunsystem stärken kann – und zwar insbesondere bei Brustkrebs. So leiden Patientinnen, die sich einer zusätzlichen Misteltherapie unterziehen, seltener unter Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie Schmerzen. Die hierbei medizinisch bedeutsamen Wirkstoffe sind Lektine, an Zucker gebundene Eiweiße, und stark wirksame Eiweißstoffe (Viscotoxine), denen nicht nur eine immunmodulierende, sondern gar zytotoxische Wirkung zugesprochen wird. So sollen die biologisch aktiven Inhaltsstoffe etwa in Tumorzellen einen gesteuerten Zelltod (Apoptose) auslösen können.

Gezielte Verabreichung

Das hochkonzentrierte Mistelpräparat wird nicht in Form von Tabletten eingenommen, sondern vom Arzt in flüssiger Form in der Regel in oder unter die Haut gespritzt. Eine Injektionstherapie mit Mistelex­trakten ist nur bei klarer Indikation sowie nach einem Beratungsgespräch mit dem behandelnden Onkologen ratsam. Dort gilt es zu klären, ob und welches Präparat sinnvoll ist. Auch wenn es sich um ein natürliches Mittel handelt, können in seltenen Fällen Nebenwirkungen wie Rötungen der Haut oder grippeähnliche Symptome auftreten. Fazit: Eine Alternative zu den Standardverfahren zur Behandlung von Brustkrebs, wie Operation, Chemo- oder Strahlentherapie, stellt die Misteltherapie nicht dar. Doch als ergänzende Maßnahme im Sinne eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes haben sich die Wirkstoffe der Heilpflanze bewährt.

Array
(
    [micrositeID] => 26
    [micro_portalID] => 26
    [micro_name] => Frauengesundheit
    [micro_image] => 1291
    [micro_user] => 1
    [micro_created] => 1463586186
    [micro_last_edit_user] => 1
    [micro_last_edit_date] => 1476097554
    [micro_cID] => 890
    [micro_status] => 1
    [micro_cache] => 0
    [deleted] => 0
)