Früherkennung

Vernünftig Sorge tragen

Von Nadine Effert · 2014

Von vielen Frauen ist sie ein ständiger, stiller Begleiter: die Angst vor einer Krebserkrankung. So machte jüngst die Schauspielerin Angelina Jolie Schlagzeilen mit der vorsorglichen Amputation ihrer Brüste. Es gibt natürlich weniger radikale Methoden. Doch welche sind bei Brust- und Gebärmutterhalskrebs sinnvoll?

Gesundheit ist ein kostbares Gut, das weder für Frau noch Mann käuflich zu erwerben ist. Umso wichtiger, dass jeder Einzelne einen Beitrag zu seiner eigenen Gesundheit leistet. Und zwar nicht nur durch eine gesunde und aktive Lebensweise. Um bis ins hohe Alter so gesund wie möglich zu bleiben, sollte frau um das Thema Vorsorgeuntersuchungen – bereits lange vor dem Rentnerdasein – keinen Bogen machen. Schließlich ist Vorsorge besser als Nachsorge.

Der Abstrich ist auch für junge Frauen wichtig

Ab dem 18. Lebensjahr oder mit Beginn eines regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ist eine Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen in einem Abstand von ein bis zwei Jahren ratsam. Dabei wird am Gebärmutterhals ein Krebsabstrich (PAP-Test) gemacht und die Brust nach Knoten oder Verhärtungen abgetastet. Warum so früh? Knapp die Hälfte, der rund 4.600 Frauen, die jährlich neu an Gebärmutterhalskrebs erkranken, sind unter 50 Jahre alt. Die Infektion mit bestimmten Arten von Humanen Papillomaviren (HPV) über den Geschlechtsverkehr gilt als eine der Hauptursachen für Gebärmutterhalskrebs. Rund 70 Prozent der Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens ein Mal mit einem der rund 100 verschiedenen hpv-Viren, wobei insbesondere die „Hoch-Risiko-Viren“ HPV 16 und 18 für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Über einen Abstrich kann der Arzt Vorstufen des Krebses feststellen, dann stehen die Heilungschancen gut. Junge Mädchen zwischen neun und 14 Jahren – so die aktuelle Impfempfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) – können sich gegen die gefährlichsten Arten von HPV impfen lassen. Allerdings nutzt die Impfung gegen die tückischen Viren nur etwas, wenn sie vor dem „Ersten Mal“, also vor einer möglichen Infektion, vorgenommen wird. Die Deutsche Krebshilfe warnt jedoch vor dem Trugschluss, dass die Impfung die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen oder den Schutz mit Kondomen beim Geschlechtsverkehr ersetzt. Während Gebärmutterhalskrebs gerade einmal 1,5 Prozent aller Krebs­erkrankungen bei Frauen ausmacht, gehört der Brustkrebs mit über 30 Prozent zur häufigsten Krebsart beim weiblichen Geschlecht.

Früherkennung: Die wichtigste Waffe gegen Brustkrebs

Laut rki-Angaben erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 75.200 Frauen neu an Brustkrebs – etwa 17.000 erliegen dem Leiden. Die Zahlen sind alarmierend. Insbesondere Risikopatientinnen und Frauen ab einem gewissen Alter sollten sich nicht allein auf das Abtasten der Brust durch den Arzt verlassen. Der kann zwar mit den Händen auffällige Verhärtungen aufspüren, die Fähigkeit, kleinste Veränderungen in der Brust zu entdecken, hat er nicht: Dafür bräuchte er schlicht einen Röntgenblick. Diese Aufgabe übernimmt das Mammographie-Screening. Ihr sollten sich alle Frauen ab 50 Jahren in einem Turnus von zwei Jahren unterziehen. Nicht ohne Grund: acht von zehn Frauen, die an Brustkrebs erkranken sind über 50 Jahre alt. Wessen Mutter oder Schwester bereits an Brustkrebs erkrankt ist, sollte sich bereits ab dem 40. Lebensjahr mit dem Thema Mammographie beschäftigen. Der Nutzen der Röntgenuntersuchung ist allerdings nicht ganz umstritten, da es zu Fehldiagnosen kommen kann. Immer wieder heißt es, die Mammographie könne keine Leben retten und führe zu unnötigen Therapien. Dem widerspricht die „Kooperationsgemeinschaft Mammographie“ mit Verweis auf eine Untersuchung zur systematischen Krebsfrüh­erkennung: Bei den zum Screening geladenen Frauen lag die Sterblichkeit um rund 20 Prozent niedriger. Bezogen auf alle Teilnehmerinnen errechnet sich hieraus eine Reduktion um etwa 30 Prozent. „Bei rund 1.000 Teilnehmerinnen werden durch die regelmäßige Inanspruchnahme der qualitätsgesicherten Mammographie folglich fünf Leben gerettet – und nicht ein oder gar kein Leben, wie immer wieder behauptet wird“, betont Prof. Sylvia Heywang-Köbrunner, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie München. Das RKI gibt für Deutschland rund 2.000 gerettete Leben pro Jahr an. Eine Zahl, die so manche Frau in puncto Vorsorge zum Nachdenken anregen sollte.

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