Narben

So heilen Wunden schöner

Von Tobias Lemser · 2017

Frauen stehen auf Männer mit Narben, heißt es. Doch wenn es um den eigenen Körper geht, sieht die Situation anders aus: Viele Frauen empfinden insbesondere auffällige oder große Narben als unattraktiv. Wie sich der Hautmakel eindämmen lässt und wie Forscher die Hautregeneration in Zukunft verbessern wollen.

Oft passiert es genau dann, wenn’s im Haushalt hektisch zugeht: Ein Weinglas zerbricht beim Spülen und eine Scherbe schneidet sich in den Unterarm. Oder das scharfe Messer rutscht beim Gemüse schnippeln ab, zum Leidwesen des involvierten Fingers. Ist die Schnittverletzung klein und eher oberflächlich, reicht es aus, die Blutung mit einer sterilen Kompresse zu stillen und ein Pflaster darauf zu kleben. 

Mit Nadel und Faden

Anders jedoch, wenn die Schnittwunde tief ist und weit auseinanderklafft. Dann heißt es: kühlen Kopf bewahren, Blutung stillen und die Wunde von einem Arzt vernähen lassen – nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus ästhetischen Gründen. Denn wer eine größere Wunde unbehandelt lässt, läuft Gefahr, eine unschöne Narbe davonzutragen. „Um das optisch bestmögliche Ergebnis zu erreichen, sollte die Wunde subkutan, also von innen heraus, vernäht werden“, sagt der Münchner Dermatologe Dr. Christoph Liebich. Ähnlich bei einer offenen Wunde, die durch einen operativen Eingriff entstanden ist. Auch hier ist es wichtig, das Gewebe unter Mitnahme des tiefsten Punktes zu vernähen, um eine Hohlraumbildung im Unterhautfettgewebe zu vermeiden.

Schneller Schutz vor Eindringlingen

Doch warum bilden sich Narben überhaupt? Ziel unseres größten Organs ist es, nach Verletzungen der tieferen Hautschichten so schnell wie möglich eine Schutzwand gegen das Eindringen von Mikroorganismen aufzubauen. Da in diesem Fall Gesundheit vor Schönheit geht, bilden sich nicht selten unregelmäßige Narben. Im Gegensatz zum gesunden Gewebe mit elastisch gekreuzten Fasern liegen in dem minderwertigen Narbengewebe die Kollagenfasern parallel. Das ist der Grund, weshalb es weniger elastisch ist und mitunter unter Spannung schmerzen kann. Auch fehlen dem zumeist weiß-glänzenden Narbengewebe Schweiß- und Talgdrüsen sowie Haare. Ein Fakt, dem US-amerikanische Forscher der University of California in Irvine nachgegangen sind. Sie wollten in ihrer zu Jahresbeginn veröffentlichten Studie herausfinden, ob eine Wundheilung auch ohne Narbenbildung möglich ist. Ergebnis: Wenn die Forscher bei Mäusen Haarfollikel in eine heilende Wunde induzierten, war die entstehende Haut nicht von vorher existierender Haut zu unterscheiden. Da das Experiment auch mit menschlichen Wundzellen in der Zellkultur gelang, erhoffen sich die Forscher in Zukunft Wunden in völlig neuer Weise heilen zu können.

Intensive Pflege verstärkt Heilung

Neben der chirurgischen Versorgung können Betroffene auch selbst etwas tun, um wulstigen Narben vorzubeugen. Wichtig ist es, Zug- oder Dehnungsbelastungen der Wunde zu vermeiden und keine scheuernde Kleidung zu tragen. Zudem empfiehlt Dr. Liebich, die Narben – damit sich keine Pigmente einlagern – vor Sonne zu schützen und mit speziellen Cremes zu pflegen. „Zur Vorbeugung und Behandlung von Narben eignen sich zum Beispiel Silikongele und Pflegecremes mit Zwiebelextrakt.“ Außerdem ist es ratsam, nachdem die Wunde verheilt ist, die Narbe regelmäßig und mit relativ viel Druck zu massieren. Das hilft, das Gewebe weich zu machen und die Heilung zu beschleunigen. Da der Heilungsprozess erst nach rund einem Jahr abgeschlossen ist und sich die Narbe bis dahin noch zurückbilden kann, sollte man weitere ästhetische Behandlungen vorerst verschieben. Sind leicht gewucherte Narben auch dann noch sichtbar, können diese mit Kortison-Injektionen oder über eine Spezialnadel mit flüssigem Stickstoff behandelt werden. Vorteil dieses sogenannten Kryoshape-Verfahrens: Durch die Erfrierung von innen nach außen wird die äußere Hautschicht geschont und das Zentrum zerstört. Zwar kann auch diese Methode unschöne Narben nicht in Gänze beseitigen, jedoch dazu beitragen, einschneidende Schnittverletzungen vergessen zu machen.

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