Bakterielle Vaginose

Scheidenmilieu in Schieflage

Von Tobias Lemser · 2017

Für den Intimbereich sollte eine pH-neutrale Waschlotion verwendet werden.

Sie ist die häufigste mikrobiologische Störung im Intimbereich bei Frauen. Die Ursachen einer bakteriellen Vaginose können hormonell bedingt sein, aber auch auf eine übertriebene Körperhygiene schließen lassen. Doch wie werden Betroffene die Keime wieder los und warum ist es so wichtig, einen Fachmediziner aufzusuchen?

Ob Migräne, Magenschmerzen oder Blasenentzündung: Sich mit Leidensgenossinnen über körperliche Malaisen austauschen, ist für viele Frauen nichts Ungewöhnliches. Anders jedoch, wenn’s im Intimbereich zwickt. Wer berichtet schon gern von einer bakteriellen Vaginose. Auch wenn die Erkrankung vielen peinlich ist, sollten ihr Betroffene dennoch ins Auge schauen. Rund ein Fünftel aller Frauen leidet mindestens einmal im Leben unter dieser durch Bakterien ausgelösten Scheideninfektion.

Säureschutzmantel aus den Fugen 

Doch wie kann es dazu kommen und warum ist eine gesunde Scheidenflora die beste Prävention? Hauptakteur sind die verschiedenen Arten von Milchsäurebakterien, die sich in der Vagina ansiedeln. Sie sorgen dafür, dass der pH-Wert in der Scheide konstant auf einem sauren Niveau von unter 4,5 bleibt und somit Bakterien oder Pilze keine Chance haben. Risikofaktoren, die eine bakterielle Vaginose begünstigen, sind Stress, ein geschwächtes Immunsystem und hormonelle Veränderungen. Betroffen sind daher vor allem Frauen während und unmittelbar nach der Menstruation sowie Schwangere. Gefahr lauert jedoch auch bei einer übertriebenen Vaginalhygiene.

„Insbesondere parfümierte Duschgels haben meist einen pH-Wert zwischen neun und elf, die den Säureschutzmantel der Schleimhaut erheblich schwächen können“, sagt Prof. Dr. Friedrich Wolff, Gynäkologe und Vorstandsmitglied der Ärzteorganisation GenoGyn. Die Folge: Das Darmbakterium Gardnerella vaginalis, das erfahrungsgemäß für die Beschwerden verantwortlich ist, hat leichtes Spiel sich auszubreiten.

Charakteristische Symptome

Zumeist äußert sich eine bakterielle Vaginose durch einen verstärkten dünnflüssigen, grau-weißlich bis gelblichen Scheidenausfluss, der zumeist unangenehm, fischartig, manchmal auch süßlich riecht. Der fischige Geruch kann jedoch auch ohne Begleitung des Ausflusses auftreten. Er entsteht, wenn die Gardnerellen Eiweiße zersetzen. Nicht zu verwechseln ist die bakterielle Vaginose mit einem Scheidenpilz, der häufig mit Juckreiz, einem weißlich bis quarkigen Ausfluss und einer geröteten Scheidenschleimhaut einhergeht.

Gynäkologischer Rat gefragt 

Liegt der Verdacht einer bakteriellen Vaginose nahe und treten Beschwerden auf, rät Prof. Dr. Friedrich Wolff dringend – auch dann, wenn die Beschwerden nur schwer einzuordnen sind – sich einem Gynäkologen vorzustellen. „Handelt es sich um eine stärkere bakterielle Scheidenentzündung ist in den meisten Fällen eine Therapie mit Antibiotika unumgänglich. Eine ganz frühe leichte Infektion kann sogar mit Milchsäure-Präparaten beseitigt werden.“ Sogenannte Döderlein-Bakterien und Ascorbinsäure-Präparate helfen, das natürliche Scheidenmilieu wiederaufzubauen. Wird die Erkrankung nicht fachgemäß behandelt, drohen Rezidive, sprich Rückfälle, und schlimmstenfalls Unfruchtbarkeit, wenn Gebärmutter und Eileiter geschädigt werden. Klagen Schwangere über eine bakterielle Vaginose, ist eine gynäkologische Abklärung umso wichtiger. Anderenfalls können vorzeitige Wehen, ein Fruchtblasensprung oder sogar eine Frühgeburt ausgelöst werden.

Fakt ist: Auch wenn Intimbeschwerden wie eine bakterielle Vaginose den meisten Frauen unangenehm sind, sollten sie sich nicht scheuen, diese in der Apotheke anzusprechen beziehungsweise von einem Gynäkologen abklären lassen – damit aus anfänglich leichten Beschwerden keine schwerwiegende Erkrankung wird.

Bakterielle Vaginose – so können Sie vorbeugen:

  • Nutzen Sie ph-neutrales Duschgel

  • Reinigen Sie die Intimregion von der Scheide um After hin 

  • Wechseln Sie während der Periode regelmäßig  die Hygieneartikel

  • Machen Sie bei erhöhter Anfälligkeit eine vorbeugende Milchsäure-Kur

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