Starke Regelblutungen

Nicht auf die lange Bank schieben

Von Nadine Effert · 2017

Die Notwendigkeit, alle zwei Stunden den Tampon wechseln zu müssen, ist nicht normal.

Jede fünfte Frau zwischen 30 und 50 Jahren leidet unter starken Regelblutungen. Viele Betroffene tragen das Problem jahrelang mit sich herum, etwa aus Scham. Dabei gibt es gute Therapien. Eisenmangel und ernste Erkrankungen als mögliche Ursache für eine Menorrhagie sind weitere, gute Gründe für einen Arztbesuch.

Sie taucht in der Regel alle 25 bis 35 Tage auf und hält im Durschnitt drei bis vier Tage an. Sie begleitet Frauen von der Pubertät als Zeichen der Geschlechtsreife und Fortpflanzungsfähigkeit bis zur Menopause. Bei manchen Frauen macht sie sich kaum bemerkbar, bei anderen wiederum verursacht sie Schmerzen und Unwohlsein. Die Rede ist von der Menstruation. Im Laufe des Lebens einer Frau kommt es rund 500 Mal zu einer Absto­ßung der Gebärmutterschleimhaut, wenn sich dort keine befruchtete Eizelle eingenistet hat. Der gesamte Menstruationszyklus ist ein sehr komplexer Prozess, an dem viele Hormone, die weiblichen Geschlechtsorgane und das Nervensystem beteiligt sind. Folglich ist er störanfällig, was sich durch unregelmäßige Blutungen, ein Ausbleiben der Menstruation oder auch ungewöhnlich lange oder starke Blutungen bemerkbar macht.

Diese Blutungen sind nicht normal

Mit einer verlängerten Monatsblutung werden besonders häufig Frauen zwischen dem 36. und 40. Lebensjahr konfrontiert. Dauert die Monatsblutung wiederholt (!) länger als sieben Tage an, lautet die Diagnose: Menorrhagie. Sie tritt häufig in Kombination mit einer verstärkten Blutung (Hypermenorrhoe) auf. Anzeichen hierfür: mehr als zehn vollgeblutete Tampons oder Binden pro Periode oder auch die Notwendigkeit, „normale“ Tampons häufiger als alle zwei Stunden wechseln oder nachts beide Hygieneartikel kombinieren zu müssen. Ob soziale Aktivitäten, Sport, Beruf oder die partnerschaftliche Beziehung – die Teilnahme am Leben ist durch eine Menorrhagie teils sehr stark eingeschränkt, was bei vielen Betroffenen auch zu psychischen Problemen führt. 

Vorsicht: Es droht Eisenmangel 

Auch haben mehrere Studien belegt, dass der übermäßige Blutverlust während der Menstruation auf Dauer zu Eisenmangel und Anämie führt. Ist nicht genügend Eisen im Blut vorhanden, äußert sich das in Müdigkeit, Antriebslosigkeit, schnelle körperliche Erschöpfung und durch eine getrübte Stimmung. Bei auffälligen Blutungen sollte der Arzt – parallel zur Ursachenabklärung – den Eisenwert unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls Eisenpräparate als Teil der Therapie verschreiben. Welche Behandlung infrage kommt, hängt vom Grund für die Menorrhagie und von der Familienplanung ab.

Gebärmutter muss nicht immer raus

Hinter einer Menorrhagie können viele Ursachen stecken, und nicht alle sind harmlos, wie im Fall von Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs. Weitaus häufiger verantwortlich sind Hormonstörungen und in rund 80 Prozent der Fälle organische Veränderungen der Gebärmutter, wie zum Beispiel Zellwucherungen oder gutartige Tumoren (Myome). In den meisten Fällen wird zunächst versucht, das Problem mit einer Hormonbehandlung zu lindern oder Geschwulste und Polypen chirurgisch zu beseitigen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, wird Frauen ohne Kinderwunsch oft zur Entfernung der Gebärmutter geraten. Der operative Eingriff kann sinnvoll sein, es gibt inzwischen aber auch weniger „einschneidende“ minimal-invasive Alternativen. Dazu gehört die sogenannte Endometriumablation, bei der mittels Gebärmutterspiegelung lediglich die Gebärmutterschleimhaut abgetragen oder verödet wird. Fazit: Die Ursache für eine Menorrhagie kann schnell erkannt und mit modernen Therapien beseitigt werden. Mit den damit verbundenen körperlichen Beschwerden und psychischen Belastungen muss keine Frau leben. Was sie lediglich muss: Die etwaige Scham vor dem Arztbesuch überwinden.

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