Nabelschnurblut

Lebensretter Stammzellen

Von Bettina Weigand · 2015

Nabelschnurblut gilt als medizinisches Allround-Talent: Die darin enthaltenen Stammzellen sollen künftig Parkinson, Alzheimer und Multiple Sklerose heilen. Mit dem nötigen Kleingeld kann man die Substanz für den Eigengebrauch konservieren lassen und bei Bedarf wieder aus dem „Gefrierfach“ holen.

Die Geburt ihres Kindes werden Eltern ihr Leben lang nicht vergessen. Und noch etwas Einmaliges kann an diesem Tag passieren: Nach der Abnabelung des Kindes ist es möglich, mit einer Kanüle Blut aus der Nabelschnur des Kindes entnehmen zu lassen. Diese Substanz ist reich an Stammzellen, die sich zu den unterschiedlichsten Zelltypen entwickeln können – ähnlich wie Stammzellen, die sich aus dem Knochenmark oder auch aus dem Blut Erwachsener gewinnen lassen. Im Unterschied zu diesen gelten sie jedoch als besser verträglich.

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Stammzellen sind vielfältig einsetzbar

Mediziner hoffen, sie einst gegen so unterschiedliche Leiden einsetzen zu können wie Diabetes und Parkinson, Alzheimer und Multiple Sklerose, Lungenkrebs, Hirn- und andere Organschäden. Große Erfolge gab es schon bei der Therapie von ­Bluterkrankungen wie Leukämie. Seit 1988 wurden weltweit über 30.000 Nabelschnurblut-Transplantationen vorgenommen. Als Investition in die Gesundheit ihrer Kinder lassen immer mehr Eltern das Blut aus dem Nabel ihres Neugeborenen für den Eigengebrauch entnehmen und einfrieren. Das heißt konkret: Im Labor werden die roten Blutkörperchen vom Blutplasma getrennt und anschließend in flüssigem Stickstoff bei Temperaturen unter minus 100 Grad Celsius gelagert. Mehr als zweieinhalb Millionen solcher Konserven, auf die Eltern jederzeit Anspruch haben, lagern bereits in Hunderten privaten Nabelschnurblut-Banken weltweit. Mehrere Tausend Euro kann die Herstellung und Einlagerung des Präparats kosten – je nach Anbieter und Aufbewahrungsdauer.

Nabelschnurblut hilft auch anderen

Es gibt aber auch eine kostenlose Alternative: die Spende an eine der sechs öffentlichen Nabelschnurblutbanken in Deutschland. Dort helfen die Präparate denjenigen Patienten, die eine Behandlung mit Stammzellen dringend brauchen, weil die Krankheit ihr Leben bedroht – zumal bei einigen Erkrankungen, wie etwa Leukämie, das Blut eines Fremden benötigt wird, weil bestimmte Immunreaktion­en erwünscht sind. Einlagerung oder Spende? Die Entscheidung liegt natürlich ganz bei den Eltern. Inzwischen gibt es auch private Anbieter, die beide Optionen miteinander kombinieren: Eltern können auf Anfrage das Präparat für einen fremden Empfänger mit einer sehr schweren Erkrankung spenden und erhalten die bis dahin gezahlten Gebühren erstattet.

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2015
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