Frühgeburten

Es kann jede Frau treffen

Von Nadine Effert · 2015

Damit das Baby nicht zu früh auf die Welt kommt, sollten Frauen alle Risikofaktoren kennen.

Wehen setzen ein, die Fruchtblase platzt – eindeutige Anzeichen dafür, dass es mit der Geburt losgeht. Für jährlich etwa 60.000 Frauen in Deutschland ist das allerdings keine gute Nachricht, denn ihr eigentlicher Geburtstermin liegt noch in weiter Ferne. Ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor ist die bakterielle Vaginose.

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn das Kind vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Das Risiko, dass der Winzling nicht überlebt, ist in diesem Stadium noch vorhanden, da vor allem die Lunge noch nicht vollständig entwickelt ist. Die gute Nachricht: Die Sterblichkeit von Frühgeburten ist dank moderner Medizin und besseren Behandlungsmethoden rückläufig, die Zahl der Frühgeburten hat sich hingegen im Laufe der Zeit nicht merklich verändert.

Risiken im Auge behalten

Die Prävention beginnt mit der Aufklärung und Beratung der Schwangeren. Weiß sie Bescheid über die Veränderungen in der Schwangerschaft und die nötige Anpassung der Verhaltensweisen, kann das Risiko, ein Frühchen zur Welt zu bringen, minimiert werden. Vor allem bei einer Risikoschwangerschaft ist besondere Vorsicht und eine intensive ärztliche Begleitung oberstes Gebot. Das betrifft Frauen, die älter als 35 Jahre alt sind oder die bereits eine Fehlgeburt, Eileiterschwangerschaft oder andere Komplikationen während einer Schwangerschaft hatten. Doch es gibt auch eine Reihe anderer Faktoren, die vorzeitige Wehen oder ein vorzeitiges Platzen der Fruchtblase auslösen. Die Ursachen können im mütterlichen Organismus liegen oder durch Fehlentwicklungen des Fetus auftreten. Neben der ausschließlich in der Schwangerschaft auftretenden Präeklampsie, die sich insbesondere durch Blut­hochdruck und Eiweiß im Urin bemerkbar macht, erhöht die bakterielle Vaginose das Risiko einer Frühgeburt – und zwar um das Vier- bis Fünffache.

Gefahr durch gestörte Scheidenflora

Die Vagina ist einer der sensibelsten und intimsten Bereiche des weiblichen Körpers. Im gesunden Zustand funktioniert sie wie ein ausgewogenes Ökosystem, das vor Infektionen und Entzündungen schützt. Entscheidend für die natürliche Schutzfunktion ist der pH-Wert in der Vagina. Optimal ist ein Wert zwischen 3,8 und 4,4. Für die Aufrechterhaltung dieses sauren Milieus verantwortlich zeigen sich die Laktobazillen, die Milchsäurebakterien, die in der Schleimhaut angesiedelt sind. Hier fühlen sich die Laktobazillen wohl, schließlich liefert ihnen die Schleimhaut ihre Nahrungsgrundlage, nämlich Zucker. Wären da nicht noch die köpereigenen Hormone, die Östrogene, im Spiel, die den Aufbau und die Funktion der Schleimhaut regulieren. Gerade bei Schwangeren ist der Hormonspiegel Schwankungen unterworfen, was zu vaginalen Störungen führen kann. Gerät das Gleichgewicht in der Vagina ins Wanken, können sich Erreger wie das Bakterium Gardnerella vaginalis oder Streptokokken in der Vagina ansiedeln. Bei einer aufsteigenden Infektion Richtung Gebärmutter können vorzeitige Wehen oder ein Blasensprung ausgelöst werden.

Keine Selbstdiagnose stellen

Die sogenannte bakterielle Vaginose ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Wenn typische Symptome auftreten, wie etwa grau-weißlicher, homogener Ausfluss oder ein unangenehmer Geruch („Fischgeruch”), dann sollte frau unbedingt einen Arzt aufsuchen. Eine Selbstdiagnose, dass es sich bestimmt nur um eine Pilzinfektion handelt, zur Behandlung derer ein Gang in die Apotheke genügt, ist alles andere als angebracht: Nur etwa 30 Prozent der Vaginalbeschwerden sind auf Pilzinfektionen zurückzuführen, bei rund 45 Prozent handelt es sich um eine bakterielle Vaginose. Das sollte grundsätzlich auch nicht schwangeren Frauen bewusst sein, da eine Vaginose weitere Erkrankungen des Genitals nach sich ziehen kann. Diagnostiziert der Arzt eine bakterielle Vaginose, erfolgt eine Behandlung mit einem Antibiotikum oder Antiseptikum in der Regel in lokaler Form mittels Zäpfchen, Vaginaltabletten oder Cremes. Der Einsatz von Antibiotika sollte bei Schwangeren – vor allem in den ersten drei Monaten – vermieden werden und nur bei zwingender Indikation erfolgen.

Eine indirekte Prävention ist möglich

Damit es erst gar nicht zu einer Infektion kommt, ist Vorbeugen das A und O für Schwangere. Ein regelmäßiger Check des pH-Werts mithilfe spezieller Indikatorpapiere oder Testhandschuhe, die in der Apotheke erhältlich sind, Verwendung von Milchsäure-Präparaten oder spezielle Gelen, die den pH-Wert optimieren sowie Verzicht auf eine übermäßige Intimpflege und der Gebrauch pH-neutraler Waschlotionen – einfache Maßnahmen, die jedoch das Risiko einer bakteriellen Vaginose und somit einer Frühgeburt deutlich reduzieren.

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