Weiblichkeit

Ein Wunderwerk der Natur

Von Wiebke Toebelmann · 2014

Frauen unterscheidet viel von Männern – vor allem die Fähigkeit, Leben schenken zu können. Die gesamte körperliche Entwicklung richtet sich darauf aus – die Grundlagen werden schon im Säuglingsalter gelegt. Ein großes Glück, aber auch eine Verantwortung, die einige Unsicherheiten und Fragen aufwirft.

Auch über Generationen hinweg haben Frauen einen Draht zueinander.

Jede Frau hat ihre eigene, ganz individuelle Geschichte. Doch haben alle Geschöpfe des weiblichen Geschlechts eines gemeinsam: den Start ihrer Reise ins Leben, der mit einem Zufall beginnt. Die Willkür der Natur bestimmt nämlich, dass bei der Befruchtung einer kleinen Eizelle durch ein Spermium zwei X-Chromosomen aufeinander treffen. Denn wären es ein X- und ein Y-Chromosom, so würden die Anlagen für ein männliches Embryo festgelegt. Auch wenn das Geschlecht aus biologischer Sicht also schon vom ersten Moment an feststeht, müssen sich die werdenden Eltern noch etwas gedulden – und zwar bis zur 18. Schwangerschaftswoche. Dann sind die Geschlechtsmerkmale soweit ausgereift, dass sie auf dem Ultraschall erkennbar sind.

Glückwunsch, es wird ein Mädchen!

Noch in der Gebärmutter entwickelt sich beim Baby in den ersten drei Monaten alles, was ein Mädchen später zum Frausein braucht – von der Gebärmutter über die Eierstöcke bis hin zu den Anlagen für die Brüste. Auch wenn sich letztere in der Regel erst mit Beginn der Pubertät zu Wort melden. Für die werdende Mutter beginnt mit dem Blick auf den positiven Schwangerschaftstest eine aufregende Zeit – überschwemmt von Glücksgefühlen, aber auch unter morgendlicher Übelkeit und anderen Zipperlein leidend.

Sodbrennen und chronische Verstopfung zählen zu den Klassikern, kaum eine Schwangere bleibt von ihnen verschont. Sie sind zwar unangenehme Begleiter, können aber mit ganz einfachen Maßnahmen in den Griff bekommen werden. Dass dabei Medikamente auf der Liste an letzter Stelle stehen, dürfte den meisten Frauen bewusst sein. Natürliche Helfer wie Flohsamen oder Enzyme tummeln sich auf den vorderen Plätzen und verschaffen sanfte Linderung.

Vom Mädchen zur Frau

Hat das Baby das Licht der Welt erblickt, hat die geschlechtliche Entwicklung erstmal Sendepause – bis zur Pubertät. Diese beginnt meist zwischen dem zehnten und 18. Lebensjahr. Es die Zeit, in der ein Mädchen sich zur geschlechtsreifen Frau entwickelt, und die bestimmt wird von Hormonen. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen sorgt dafür, dass Brüste, Schambehaarung sowie Schamlippen und Klitoris wachsen. Als letzte Veränderung der Pubertät tritt die monatliche Regelblutung ein und damit das Wissen, dass jetzt nichts mehr so ist wie zuvor. Die Phase der Pubertät ist auch von seelischen Veränderungen geprägt – Stichwort „Zickenalarm“ und das neu entdeckte Interesse an der Liebe.

Mädchen in der Pubertät fühlen sich oft unsicher, und das nicht nur aufgrund der fiesen Pickel, die ungewollt im Gesicht sprießen. Die Pubertät ist auch für Eltern keine einfache Zeit. Sie müssen die „Lasst-mich-doch-alle-in-Ruhe“-Tochter einfach „ertragen“, ihr stets ein offenes Ohr schenken und sie darüber aufklären, dass sie jetzt durchaus schwanger werden kann.

Familie – ja oder nein?

Der Wunsch nach einem eigenen Kind – bei manchen Frauen taucht er bereits in einer recht frühen Lebensphase auf, bei manchen ab Mitte 30 oder gar später. Ist die berühmt-berüchtigte biologische Uhr Schuld? Fakt ist, dass die Fruchtbarkeit abnimmt, je älter frau wird. Da ist das männliche Geschlecht klar im Vorteil. Nicht selten ist von Männern jenseits der 60 zu hören, die in den Genuss später Vaterfreuden kommen – eine junge Partnerin vorausgesetzt. Doch zurück zur Frau, die so langsam aber sicher auf die 40 zusteuert. Werfen wir einen Blick auf die weiblichen Eizellen. Bereits bei der Geburt befinden sich etwa eine halbe Millionen unreife Keimzellen (Oozyten) in den Eierstöcken. Davon verabschieden sich allerdings schon die meisten bis zur Pubertät, und mit jedem Zyklus reifen rund 1.000 Fortpflanzungszellen zu Follikeln heran, von denen wiederum in der Regel nur eine Eizelle befruchtet werden kann. Man könnte den Umgang des weiblichen Körpers mit den Eizellen durchaus als verschwenderisch bezeichnen. Jedoch macht nicht der sich zu Ende neigende Vorrat Probleme. Ab einem gewissen Alter stellen die Eierstöcke einfach keine befruchtungsfähigen Eizellen mehr bereit. Hinzu kommt, dass die Qualität der Eizellen mit dem Alter abnimmt und mit ihr die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft.

Besser spät als nie?

Eine Studie des Massachusetts General Hospital in Boston gibt Frauen mit spätem Kinderwunsch Grund zu Hoffnung: Die Wissenschaftler entdeckten Stammzellen, aus denen neue, Follikel bildende Eizellen gewonnen werden können. Einziger Wermutstropfen: Bisher glückte das „Austricksen der Natur“ nur im Labor. Eine inzwischen in der Praxis angekommene, wenngleich in der Öffentlichkeit nicht umstrittene Methode, ist das Einfrieren von Eizellen. Manche sehen es als Befreiungsschlag für Frauen, die Karriere machen oder einfach selbstbestimmt entscheiden wollen, wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind ist. Andere halten es für verwerflich, die natürliche Grenze, die der weibliche Körper einer Schwangerschaft setzt, nach Lust und Laune zu überschreiten. Unumstritten ist hingegen, dass Schwangerschaft und Geburt einzigartige Erlebnisse im Leben einer Frau sind.

Vorsorge: Immer besser als Nachsorge?

Frau sein bedeutet auch, mit frauentypischen Ängsten umzugehen. Sei es in der Schwangerschaft die Sorge, dass das Kind auch gesund zur Welt kommen wird, oder die Angst vor schweren Krankheiten wie Brustkrebs. Die moderne Medizin bietet heutzutage eine ganze Reihe an Untersuchungen an. Zur pränatalen Diagnostik gehören bewährte Vorsorge-Checks, aber auch zusätzliche Tests, die Aufschluss über das Risiko einer Erbkrankheit geben sollen. Die Debatte, ob etwa durch eine Fruchtwasseruntersuchung das Baby selbst einem zu großen Risiko ausgesetzt wird und die Ergebnisse nicht eher zu Verunsicherung bei den Eltern führen, ist auch heutzutage nicht vom Tisch. Genau wie die Frage, welche Vorsorgeuntersuchungen Frauen wann wahrnehmen sollten. Allein an Brustkrebs erkranken in Deutschland jährlich über 75.000 Frauen neu. Die gute Nachricht: Früh erkannt, stehen die Chancen auf Heilung gut. Vorsorge ist also ein Thema, mit dem sich das weibliche Geschlecht durchaus beschäftigen sollte.

Fazit: Frauen sind faszinierende Geschöpfe. Und jede für sich ist einzigartig. Diese Publikation zeigt, dass der weibliche Körper eben mehr ist, als die bloße Weiterentwicklung einer männlichen Rippe – nämlich eine Wunderwerk der Natur.

Quelle: Robert Koch-Institut, 2012
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