Endometriose

Ein oft übersehenes Leiden

Von Nadine Effert · 2017

Von einer Endometriose ist laut Schätzung etwa jede zehnte Frau in Deutschland betroffen. Jährlich kommen 30.000 Neuerkrankungen hinzu. Obwohl so häufig, vergehen vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung im Schnitt sieben Jahre. Woran das liegt, welche Folgen die gutartige Wucherung an der Gebärmutter haben kann und was es Neues aus der Forschung gibt.

Chronische Schmerzen im Unterleib können auf eine Endometriose hinweisen.

Leichte Schmerzen im Unterleib kennt fast jede Frau, wenn während der Menstruation die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Treten die Schmerzen allerdings außerhalb der Periode auf oder sind sie anhaltend stark, schränken sie die Lebensqualität sehr ein und erfordern die Einnahme von Schmerzmitteln, kann eine Endometriose dahinter stecken. Dabei handelt es sich um eine gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter – häufig am Bauchfell, an den Eierstöcken, Eileitern, am Darm oder an der Blase. Die sogenannten Endometriose-Herde breiten sich mit der Zeit weiter aus. Zysten, Verwachsungen und Unfruchtbarkeit können die Folgen sein. Manche Frauen berichten auch über Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang. 

Viele Ärzte deuten Symptome falsch

Allen genannten Beschwerden kann eine Endometriose zugrunde liegen – muss aber nicht. Das macht die Diagnose so schwierig. Auch gibt es keinen typischen Krankheitsverlauf und die Beschwerden stehen nicht immer in direktem Zusammenhang mit dem Grad der Ausbreitung der Endometriose. Hinzu kommt, dass Schmerzen eine subjektive Empfindung sind, deren Stärke nicht objektiv messbar ist – auch nicht von einem Arzt. „Nicht selten werden die Schmerzen von Gynäkologen falsch eingestuft oder Patientinnen mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen“, sagt Prof. Dr. Stefan P. Renner, Stellvertretender Klinikdirektor der Universitätsfrauenklinik Erlangen und Präsident der Europäischen Endometriose-Liga. Mit der Folge, dass die Krankheit durch das Diagnoseraster fällt. Verheerend, wenn man bedenkt, dass chronische Schmerzen oft in einen Teufelskreis aus Angst vor den Schmerzen, sozialem Rückzug, Hoffnungslosigkeit und Depression führen – was die Schmerzen wiederum verstärkt. 

Forschung: Bluttest statt Bauchspiegelung? 

Bei Verdacht auf Endometriose kann nur eine Gewebeentnahme mittels Bauchspiegelung Gewissheit verschaffen. „Hilfreich wäre ein Marker, mit dem eine einfachere Diagnose möglich wäre“, sagt Prof. Renner. Mehrere Arbeitsgruppen, darunter die an den Universitäten in Erlangen und Münster, forschen aktuell parallel auf diesem Gebiet. So untersuchen die Forscher in Münster den Einsatz von micro-RNAs als Krankheitsmarker. Der Grund: Bei Endometriose-Patientinnen ist die micro-RNA an bestimmten Stellen verändert. Ziel der Forschungsbemühungen ist es, die Veränderung durch einen Bluttest nachzuweisen. Professor Ludwig Kiesel, Direktor der Universitätsfrauenklinik Münster, warnt in der Mitteilung jedoch vor überzogenen Hoffnungen: „Vom Einsatz an den Patientinnen ist unsere Methode noch weit entfernt, da wir zunächst das Verständnis von den Prozessen auf der molekularen Ebene der Erkrankung noch erweitern müssen.“ Wichtig sind auch weitere Fortschritte in der Ursachenforschung: Denn solange diese nicht bekannt sind, ist eine vollständige Heilung der Endometriose kaum möglich. Die gute Nachricht: Endometriose ist heutzutage gut behandelbar. So können Endometriose-Herde operativ entfernt werden. Nach Diagnose können durch eine Hormontherapie in Form von Gestagen (Gelbkörperhormon) oder GnRH-Analoga Beschwerden und teils auch die Endometriose-Herde reduziert werden. Umso wichtiger, dass dem verbreiteten Leiden mehr Beachtung geschenkt wird und Frauen schneller eine Diagnose erhalten.

Endometriose – Unterstützung für Betroffene:

Kontakt zu Spezialisten und Selbsthilfegruppen, Expertenrat und eine Liste zertifizierter Endome­triosezentren gibt es hier:

Europäische Endometriose-Liga: www.endometriose-liga.eu

Endometriose Vereinigung Deutschland: www.endometriose-vereinigung.de

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