Kinderwunsch

Ein ganz neues Leben

Von Wiebke Toebelmann · 2015

Ein Kinderwunsch krempelt alles um – und zum Glück werden die meisten Frauen schnell schwanger. Will dies über einen langen Zeitraum jedoch nicht gelingen, wird die Sehnsucht nach einem Baby oft zu einer nervlichen Belastungsprobe. Doch in vielen Fällen kann die moderne Reproduktionsmedizin helfen.

Viele Paare fühlen sich nur mit Kindern komplett - und glücklich.

Der Satz „Glückwunsch, Sie sind schwanger” versetzt Paare, die beschlossen haben, nicht mehr nur zu zweit durchs Leben zu gehen, in einen regelrechten Freudentaumel. Er stellt aber auch von einer Sekunde auf die andere das Leben der Frau völlig auf den Kopf. Von nun an heißt es: auf sich achten, sich gesund ernähren, auf Genussmittel wie Alkohol verzichten, Stress vermeiden. Hinzu kommen die körperlichen Veränderungen: Die Hormone spielen verrückt, Übelkeit und Müdigkeit überkommen viele im frühen Stadium, die Brüste spannen und werden mit der Zeit größer – genauso wie der Bauch. Eine Schwangerschaft ist wahrlich ein Wunder der Natur, wenn man bedenkt, dass aus der bloßen Verschmelzung einer Eizelle und eines winzigen Spermiums ein Keimling, der spätere Embryo, entsteht. Glücklich können sich jene Paare schätzen, bei denen das auf ganz natürliche Weise passiert. Allerdings soll bereits jedes sechste Paar im Alter zwischen 25 und 59 Jahren mit einem unerfüllten Kinderwunsch durchs Leben gehen – das sind rund sechs Millionen Frauen und Männer in Deutschland. Ob Umwelteinflüsse, medizinische Ursachen oder die Tatsache, dass viele Mütter beziehungsweise Paare sich heutzutage erst in einer späteren Phase des Lebens für ein Kind entscheiden – es gibt viele Gründe dafür, dass Reproduktionsmediziner alle Hände voll zu tun haben.

Schwangerschaft um jeden Preis?

Vor allem durch die heutzutage weit verbreitete Devise „Kinder ja, aber nicht jetzt“ entstand in der Reproduktionsmedizin jüngst ein neues Geschäftsfeld: Social Freezing. Das Einfrieren von Eizellen, um zu einem späteren, ausgesuchten Zeitpunkt schwanger zu werden, ist theoretisch möglich und verspricht Frauen völlig neue Freiheiten bei der Lebensplanung. Sie können erst einmal in Ruhe die Karriereleiter emporsteigen oder der leidigen Suche nach „Mr. Right“ einfach ein paar Jahre mehr Zeit geben. Biologische Uhr? Ausgeschaltet. Zeitdruck? Fehlanzeige. Der Trend kommt aus den USA und ist auch in Deutschland erlaubt. Doch wie erfolgsversprechend ist die Methode wirklich? Und sind mögliche Risiken in Form von gesundheitlichen Folgen für das Kind erforscht? Fakt ist, dass mit zunehmendem Alter die Chance, nach der Befruchtung eingefrorener Eizellen schwanger zu werden, sinkt und langfristige Datenreihen zu möglichen Folgen des Social Freezings (noch) fehlen. Doch zurück zu den Frauen, die schon in freudiger Erwartung oder fleißig am Üben sind.

Gute Vorbereitung ist das A und O

Jede Schwangere hat übrigens einen gesetzlichen Anspruch auf eine ausreichende medizinische Untersuchung und Beratung. Und diese sollten Mamas in spe auch wahrnehmen, schließlich geht es um ihr Wohlergehen und das des Kindes. Nur durch die regelmäßige Kontrolle des Höhenstands des Gebärmutterbodens, der kindlichen Herztöne sowie der Lage des Kindes können mögliche Gefahren für Mutter und Kind rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Die Gewissheit, dass alles in Ordnung ist, wünscht sich schließlich jede Frau, die einen Mutterpass in ihren Händen halten darf. Auch wenn alles gut verläuft, eine Schwangerschaft ist und bleibt eine intensive Zeit. Zeit, in der sich frau unter anderem auch mit folgenden Fragen beschäftigen muss: Wo mache ich einen Geburtsvorbereitungskurs? Wann muss ich mich nach einer Hebamme umsehen? Wo möchte ich mein Kind zur Welt bringen?

Es klappt nicht – wer oder was ist schuld?

Die Ursache, warum es nicht funktioniert, ein neues Familienmitglied in die Welt zu setzen, hält sich geschlechtermäßig die Waage: In 40 Prozent der Fälle liegt es an der Frau; in 40 Prozent liegt die Ursache beim Mann; 20 Prozent der Paare sind „grundlos” kinderlos – sprich, es gibt keine medizinische Indikation, keine organische Ursache, die gegen eine Schwangerschaft spricht. Fruchtbarkeit ist keine unveränderliche Größe, sondern unterliegt Schwankungen, die auch durch übermäßigen Stress oder starke psychische Belastungen ausgelöst werden können. Der weibliche Körper bestimmt in solchen Phasen einfach, dass jetzt sozusagen einfach nicht der richtige Zeitpunkt für eine Schwangerschaft ist. Aber auch der Konsum von Alkohol und Nikotin sowie Umweltgifte spielen eine Rolle. So kann bei männlichen Rauchern zum Beispiel die Samenproduktion vermindert sein. Und welche organischen Ursachen können frau das Leben schwer machen? Die häufigsten „Übeltäter“ sind: Eileiterverschluss, Verwachsungen der Gebärmutter, gutartige Tumoren (Myome) in oder an der Gebärmutter oder wiederholt auftretende Zysten. Alle Erkrankungen können jedoch in der Regel gut vom Facharzt behandelt werden.

Dem Glück auf die Sprünge helfen

Von der In-Vitro-Fertilisation (IVF) über die intrauterine Insemination bis hin zur Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICS) – die moderne Reproduktionsmedizin stellt heute ein ganzes Arsenal an Behandlungsmethoden zur Verfügung, um Paaren doch noch den langersehnten Wunsch vom eigenen Kind zu erfüllen. Hormontherapie und künstliche Befruchtung sind die gängigsten Methoden, die gute Ergebnisse erzielen können, jedoch auch eine große Belastung für Körper und Seele darstellen – zumal es keine Garantie gibt, dass die Methoden immer zu einer Schwangerschaft führen. Erneute Rückschläge wiegen schwer und sind nicht selten, wie ein Blick in das deutsche iIVF-Register zeigt: Demzufolge wurden im Jahr 2012 51.958 Reagenzglasbefruchtungen durchgeführt, 46.905 Embryonen wurden in die Gebärmutter implantiert. Daraus entstanden zwar 13.894 Schwangerschaften, geboren wurden aber nur 9.377 Kinder. Anders ausgedrückt: Nicht einmal jede fünfte Kinderwunschbehandlung führte zur Geburt eines Babys. Natürlich lassen sich die Zahlen auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Zumindest konnte dank moderner Reproduktionsmedizin zumindest knapp 10.000 Frauen im Jahr 2012 der Kinderwunsch erfüllt werden. Letztlich muss jede Frau für sich entscheiden, ob sie diesen Weg gehen möchte. Und manchmal müssen sich Frauen auch von dem Gedanken, gemeinsam mit dem Partner ein Kind zu haben, ganz verabschieden. Nicht nur die Medizin stößt hier und da an ihre Grenzen. Auch die Natur setzt uns Menschen Grenzen, die wir nicht überschreiten sollten.

Quelle: VuMA, 2014
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