Prävention

Der gar nicht so kleine Unterschied

Von Nadine Effert · 2016

Frauen in Deutschland werden im Schnitt fünf Jahre älter als Männer. Eine für das weibliche Geschlecht durchaus gute Nachricht. Doch warum gibt es weitaus mehr Institutionen und Programme, die sich speziell um die Gesundheit von Frauen kümmern? Dafür gibt es Gründe – etwa das sogenannte „Gender paradox“, aber auch die Tatsache, dass Frauen ein anderes Körperbewusstsein haben.

Die Doppelbelastung in Job und Familie kann Gift für die Gesundheit sein.

Gesundheit ist ein unschätzbar wertvolles Gut in unserem Leben. Jeder von uns weiß, dass er selbst etwas zu einem gesunden Lebensstil beitragen kann – durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, den Verzicht auf Zigaretten und ausschweifenden Alko­holkonsum sowie das Vermeiden von Stress. Erfreulich ist, dass laut einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) das Gesundheitsbewusstsein der Deutschen zugenommen hat: Seit der ersten Befragung im Jahr 2003 ist zum Beispiel die Rauchquote bei Frauen von 29 auf 24 Prozent gesunken, die der Männer von 38 auf 31 Prozent. Der Alkoholkonsum ging ebenfalls leicht zurück. Zu nahm hingegen die Sportbeteiligung in der Bevölkerung und das ist ebenfalls erfreulich. Doch wie gesundheitsbewusst sind Männer und Frauen im Vergleich?

Frauen achten mehr auf ihre Gesundheit

Das brachte eine Umfrage von Glaxo-SmithKline zum „Gesundheitsbewusstsein der Deutschen“ im vergangenen Jahr ans Licht: So gehen 35 Prozent der Männer erst zum Arzt, wenn sie sich wirklich krank fühlen; bei den Frauen sind es hingegen nur 17,3 Prozent, die den Arztbesuch auf die lange Bank schieben. Die Hälfte der Frauen ernährt sich bewusst gesund, um Erkrankungen vorzubeugen; bei den Männern sind es 41,2 Prozent. Zudem lassen sich Frauen (42,8 Prozent) häufiger als Männer (40,8 Prozent) gegen Infektionskrankheiten impfen. Über 83 Prozent der Frauen gehen regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen oder nutzen alle zwei Jahre den kostenlosen Check-Up 35 zur Früherkennung etwa von Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes mellitus. Auch andere Studien kommen zu dem Schluss, dass Frauen ein anderes Körperbewusstsein haben als Männer und im Schnitt mehr für ihre Gesundheit tun. Männer haben eher den Ruf des Arzt- und Vorsorge-Muffels, schließlich zählt krank sein nicht unbedingt zu den Attributen, mit denen das starke Geschlecht sich gerne schmückt. „Männer bringen lieber ihr Auto zum TÜV, als dass sie selbst einen Gesundheits-Check machen“, stellte DAK-Chef Prof. Herbert Rebscher einst fest. Da scheint es nicht verwunderlich, dass die Krankenkassen in puncto Prävention und Vorsorge ihr Augenmerk stärker auf die Frauen legen. Schließlich fallen entsprechende Angebote hier auf fruchtbaren Boden.

Länger, aber kränker

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen liegt laut Statistischem Bundesamt bei 83 Jahren, bei Männern bei 78 Jahren. Allerdings muss Folgendes festgehalten werden: Frauen leben zwar länger, sind aber auch häufiger krank. Gemessen anhand der Krankmeldungen ist dies auch ein Ergebnis des DAK-Gesundheitsreports: Im Jahr 2015 hatten Arbeitnehmerinnen 14 Prozent mehr Fehltage als männliche Kollegen. Umgekehrt leben Männer zwar im Schnitt kürzer, bleiben in dieser Zeit jedoch wahrscheinlich gesünder. Diese Erkenntnis nennen Experten das „Gender paradox“. Über diesen merkwürdigen Widerspruch grübelte bereits in den 1970er-Jahren die amerikanische Soziologin Lois Verbrugge von der University of Michigan, indem sie sich diese Frage stellte: „Wie kann das kränkere Geschlecht eine längere Lebens-erwartung haben?“. Eine einfache Erklärung wurde bereits erwähnt: Frauen gehen nun mal schneller zum Arzt, sprechen offener über ihre gesundheitlichen Beschwerden. Eine US-Langzeitstudie zeigte, dass besonders maskuline Vertreter des männlichen Geschlechts, also die Kategorie „Marlboro-Mann“, früher sterben – ebenso Frauen, die „den Mann raushängen“ lassen. Eine weitere Erklärung zur Diskrepanz der krankheitsbedingten Fehltage sieht die DAK in den Beschwerden und Komplikationen in der Schwangerschaft sowie in der Tatsache, dass die Frau es in der Regel ist, die kranke Kinder zu Hause hütet. „Dieses Mehr an subjektiver Morbidität bei Frauen war einer der Gründe, warum Frauen bis vor Kurzem als das ‚kränkere Geschlecht‘ angesehen wurden“, so Prof. Dr. Monika Sieverding, die an der Psychologischen Fakultät der Universität Heidelberg unter anderem zum Thema Geschlechterrollen und Gesundheit forscht. Das beliebte Meiden von Arztbesuchen führe auch dazu, dass bei Männern viele Krankheiten erst spät entdeckt werden, was wiederum einen Einfluss auf die Lebenserwartung habe, so die Forscherin.

Gesundheit ist auch von Lebensphasen bestimmt

Laut Bundesministerium für Gesundheit gehören zur Frauengesundheit nicht nur biologische, sondern auch psychische und soziale Aspekte. Einfluss auf das weibliche Wohlbefinden haben daher auch die jeweilige Lebensphase der Frau, beispielhaft können hier die Wechseljahre oder Schwangerschaft genannt werden, und das Alter. So nimmt das Risiko für bestimmte Krankheiten mit zunehmendem Alter zu. Das betrifft auch Brustkrebs, der häufigsten Krebsart bei Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt laut der Deutschen Krebshilfe bei 64 Jahren. Aufgrund einer verbesserten Früherkennung, gezielteren Therapiemethoden und einer interdisziplinären Betreuung ist die Sterberate seit einigen Jahren gesunken – trotz der steigenden Zahl an Neuerkrankungen. Auch junge Frauen können die Diagnose Brustkrebs erhalten, was zeigt, dass das Alter allein nicht ausschlaggebend für die Entstehung von Krankheiten ist. Neben einer genetischen Veranlagung, auf die wir keinen Einfluss haben, gibt es eine ganze Reihe an Risikofaktoren, die wir ganz einfach minimieren können. Zum Beispiel Stress im Job.

Heute schon an morgen denken

Eine jüngst im „Journal of Occupational and Evironmental Medincine“ veröffentlichte Studie aus den Reihen der Ohio State University brachte zutage, dass Überstunden ungesund sind und zu gefährlichen Langzeitfolgen führen können – insbesondere für Frauen und das ab einem Arbeitspensum von 50 Stunden pro Woche. Ab 60 Wochenstunden verdreifache sich sogar das Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes mellitus, Krebs oder Arthritis zu erkranken. „Besonders Frauen, die mehrere Rollen gleichzeitig zu stemmen haben, bekommen die Effekte intensiver Arbeit zu spüren und das schafft die Basis für eine Bandbreite von Krankheiten und Einschränkungen“, so Studienautor Allard Dembe. Damit spricht der Professor die Doppelbelastungen in Beruf und Familie an und fordert von Unternehmen, ihren Mitarbeitern etwa mit flexiblen Arbeitszeiten und gesundheitlicher Fortbildung unter die Arme zu greifen. Gleichzeitig warnt Dembe: „Frauen, die 20, 30 oder 40 sind, denken nicht unbedingt darüber nach, welche Probleme daraus später im Leben folgen.“ Sollten sie aber …

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