Blasenschwäche

Der Beckenboden im Fokus

Von Tobias Lemser · 2017

Schätzungen zufolge leiden 40 Prozent aller über 60-jährigen Frauen an einer Harninkontinenz. Doch das sollte kein Grund sein, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Es gibt gezielte Trainings- und Therapiemethoden, die den Betroffenen helfen, die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Kribbelt es in der Nase, gehen bei so manchen Frauen bereits die Alarmglocken an. Denn nur selten gelingt es, eine zumeist folgende, explosionsartige Niesattacke aufzuhalten. Das für die Betroffenen zumeist Peinliche ist nicht das Niesen selbst, vielmehr sind es die paar Tröpfchen Urin, die sich auf den Weg machen, ohne zuvor einen Harndrang verspürt zu haben. Aber auch Husten, das Heben schwerer Lasten oder das Treppensteigen können Auslöser für dieses Malheur sein – insbesondere dann, wenn eine Belastungsinkontinenz vorliegt. 

Risikofaktor Entbindung

Ursache ist fast immer eine schwächelnde Beckenbodenmuskulatur. Doch wie kommt es dazu? Zu den größten Risikofaktoren, die dem Beckenboden dauerhaft zusetzen können, zählen Unterleibsoperationen, Übergewicht, körperliche Belastungen und vor allem Geburten. Gerade wenn eine Frau entbindet, können sich die Gebärmutter und andere Beckenorgane absenken und somit den Verschlussmechanismus der Blase beeinträchtigen. Um Peinlichkeiten im Alltag zu umgehen, können betroffene Frauen zu speziellen Slipeinlagen greifen. Sie saugen nicht nur Nässe, sondern auch Gerüche effektiv auf. Aber damit ist es nicht getan: Um die exakte Ursache zu klären, ist es erforderlich, sich medizinischen Rat einzuholen. 

Studie bestätigt Therapieerfolg 

Wie wichtig ein gut trainierter Beckenboden gerade für Frauen mit Belastungsinkontinenz ist, belegten Wissenschaftler des Cochrane-Instituts. Sie haben im Jahr 2015 mehrere Studien zu den Behandlungsmöglichkeiten von Blasenschwäche ausgewertet. Demnach konnten durch Training achtmal mehr Frauen geheilt werden. Die Zahl der Frauen, die ihre Beschwerden zumindest deutlich verbessern konnte, beläuft sich auf das 17-fache. Um die Beschwerden in diesem Maße lindern zu können, empfehlen die Experten, das Training über mindestens ein Vierteljahr unter fachlicher Anleitung und später in Eigenregie durchzuführen.

Übung macht den Meister

Neben zusätzlichen Übungen, die kniend, sitzend oder auf dem Rücken durchgeführt werden, kann sich zudem eine Übung beim Wasserlassen auszahlen. Ziel ist es, währenddessen den Urinstrahl anzuhalten und nach ein paar Sekunden die Blase wie gewohnt zu leeren. Je öfter man diese Übung macht, desto besser werden die Muskeln trainiert.

Anders bei der Dranginkontinenz, einer zumeist durch Harnwegsentzündungen ausgelösten Erkrankung, die mit plötzlichem Harndrang einhergeht: Zwar spielt auch hier die Beckenbodengymnastik als ergänzende Behandlungsmethode eine wichtige Rolle, Standard neben der Physikalischen Therapie ist jedoch die Medikamentengabe. 

Fakt ist: Auch wenn Blasenschwäche für die meisten betroffenen Frauen ein Tabu-Thema ist, Grund sich deshalb zurückzuziehen, ist das noch lange nicht. Denn nur Frauen, die offen mit ihrem Hausarzt über ihre Blasenschwäche sprechen und entsprechende Therapien angehen, können ihre Lebensqualität wieder nachhaltig erhöhen.

So können Sie einer Blasenschwäche vorbeugen:

  1. Stärken Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur.

  2. Reduzieren Sie Ihr Gewicht. So entlasten Sie den Beckenboden.

  3. Achten Sie auf die richtige Körperhaltung. Alle Bewegungen, die den Rücken schonen, sind auch für den Beckenboden gut.

  4. Treiben Sie regelmäßig Sport. Körperliche Fitness durch Schwimmen, Gymnastik, Walking, aber auch Entspannungstechniken kommen Ihrer Blase zugute.

  5. Sorgen Sie mit einer ballaststoffreichen Ernährung für einen leichten Stuhlgang.

  6. Trinken Sie zwei Liter pro Tag, um sich vor Blasensteinen und Infektionen zu schützen.

  7. Beugen Sie Harnwegsinfektionen vor, da diese das Inkontinenzrisiko erhöhen. 

  8. Trainieren Sie Ihre Blase. So vergrößern Sie bei Dranginkontinenz die Abstände zwischen den Toilettengängen. 

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